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Rainer Bratfisch (Jazzpodium), 2006-09-01 |
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Wer beim „Grasgeflüster“ von Ernst Bier, Schlagzeug, Percussion und Günter Heinz, Posaune, Flöte, Zurna, an Walt Whitmans Gedichtzyclus „Grashalme“ denkt, liegt so ganz falsch nicht, schließlich war er ein Verfechter freier Rhythmen. Und irgendwo befähigt die Musik dieses Meister-Duos tatsächlich mit den Augen zu hören und mit dem Gehör zu sehen, wie Lina-Andrea Dippel, Handweberin aus Thurnau, in den Liner Notes schreibt. Die Grundidee ihrer Ausstellung „Grasgeflüster – Lebensgeister“ im Textilmuseum Helmbrechts im Jahre 2004 mit gewebten Bildern aus Leinen, Seide und Gras war es, schwungvolle Figuren durchs Gras tanzen zu lassen. Stängel, Ähren und Blätter geben Stoffen Farbe und Struktur, sie initiieren eine neue Verbindung zwischen Natur und Menschenhand. Wie klingt das Gras, wie hört sich die Farbe Grün an? Folgerichtig hört sich ein Titel dieser CD, die zur Ausstellung entstand, “Winden und Quecken“, die beiden Musiker inzenieren eine „Grashüpferparade“, und als sie durch ein Kornfeld laufen, peitschen Ähren ihre Beine. Gelegentlich fügt trombonistisches Vogelgezwitscher dem vegetablen Grün eine neue Dimension hinzu. Der Mensch geht nach dem Leben in das Gras und die Bäume ein, schreibt Walt Whitman. Diese Musik ist durchaus im Diesseits verwurzelt, lotet musikalisch immer wieder neue Grenzregionen aus. Ernst Biers ebenso subtiles wie eruptives Schlagzeugspiel korrespondiert immer wieder spannend mit dem Gesang der Posaune, der Rhythmus der Natur geht nahtlos in den Rhythmus der Musik über.
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